Autorität und Reflexionssteigerung – ein Kommentar

von Kusanowsky

Kommentar von Thomas Strobl zu dem Artikel
Die Zerrüttung der Dokumentform durch Massenmedien 1

Dass der Kontingenzraum von Verbreitungsmedien nicht nur einen Unsicherheitsraum für die Annahme von Kommunikationsangeboten darstellt, sondern auch einen Möglichkeitsspielraum für die Wahl von Anschlussselektionen, ist keine „Überlegung, d ie man anstellen kann“, sondern geradezu banal, wenn man sich die Grundlagen der Systemtheorie vor Augen führt.
Der entscheidende Punkt deiner Darstellung ist die Differenz zwischen Operation und Reflexion, besser: die gesteigerten Reflexionsmöglichkeiten, die sich aus dem Wechsel von interaktiven Kommunikationsformen in massenmediale ergeben (insbesondere Schrift). Mit der Verbreitung und weiteren Ausdifferenzierung schriftbasierter Kommunikation werden gesteigerte Reflexionsmöglichkeiten geschaffen. Gleichzeitig aber auch neue Operationsmöglichkeiten, denn man muss nicht mehr alles stehen und liegen lassen, um Irgendjemanden irgendwo reden zu hören – wenn es wichtig war, dann kann man es später auch irgendwo nachlesen.
Das führt aber, insbesondere mit dem Internet, zu genau der Konstellation, die du am Schluss deines Beitrags ansprichst, und die ich mal in der FAZ unter dem Titel „Massensterben der Autoritäten“ thematisiert habe: Die gesteigerte Reflexionsmöglichkeit steigert sich letztlich nur über ihre Selbstreferenz. Die Top-Scorer des Internets zeugen nicht mehr unbedingt von Autorität, sondern nur noch davon, dass viele Internetnutzer sie gut finden, weil viele Internetnutzer sie gut finden. 

Fortsetzung


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