Die apokalyptische Funktion des Mediengebrauchs I

von Kusanowsky

In dem Maße, in dem sich in der vergangenen Industriegesellschaft der Mediengebrauch reflexiv verstärkend auf die Frage nach seiner Beziehung zu einer dokumentarischen Realität richtete,  verschärfte sich auch die Frage nach seiner Beziehung zur Fiktionalität, nicht zuletzt deshalb, da mit der dämonischen Verbreitung virtueller Realität der Fiktion eine Form ihrer Überbietung an die Seite gestellt wurde, gegen die sie sich nicht erwehren kann.
Denn keine Wirklichkeitskonstruktion kann sich der zunehmenden Verwendung von Modulen des Medienangebots entziehen, da Medien einen komplexen kybernetischen Zusammenhang bilden, der für die Koppelung von Systemen unverzichtbar ist. Indem alle Wirklichkeit das Resultat aus dem Zusammenwirken aller sinnverstehenden Systeme und das jeweilige Wirklichkeitsmodell mit einer sozialen Semantik verbunden ist, stellen Medien das Regelungsprogramm für eine soziale Interpretation des Wirklichkeitsmodells einer Gesellschaft dar.
Alle möglichen Interpretationen entstehen damit durch ein Zusammenspiel sich selbst voraussetzender Prozesse, aus denen sie hervor gehen. Die Medienwelt ist damit gleichsam eine gigantische Fiktionsmaschine, die als Sinn- und Ordnungsgefüge ständig reproduziert wird und welche sich durch die Differenz zu anderen Möglichkeiten der Problemlösung operativ gegen ihre Umwelten abschließt.
Im Verlauf der medialer Entwicklung entsteht das, was für alle beteiligten Systeme unter ihren jeweiligen Bedingungen als Erfahrungswirklichkeit wirksam wird und nur für eine bestimmte Zeit wirksam bleiben kann, weil mit dem Erfolg realtitätsvergewissernder Strukturen durch Mediengebrauch eben diese Strukturen auf diese selbe Weise wieder zerrüttet werden. Damit ist ganz knapp die apokalyptische Funktion des Mediengebrauchs angedeutet.

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