The Medium is the Witness

von Kusanowsky

Wer sich einmal anschaulich darüber informieren möchte, wie sich der Ablöseprozess von etablierten zu zukünftigen Beurteilungsroutinen und der Übergang von dokumentarischen zu performativen Formen des wissenschaftlichen Erzählens niederschlägt, findet auf dieser Seite ein beeindruckendes Beispiel.
Die Seite enthält eine Rezension der Dissertation „The Medium is the Witness‚: Zur Ereignis-Darstellung in Medientexten“ aus dem Jahre 2009. Ganz nach dem Schema konventioneller wissenschaftlicher Argumentation wird eine Rezension auf einer Internetseite dokumentiert. Interessant daran ist wie diese so präsentierte Rezension ihren Gegenstand referiert, indem sie schon eine Unterscheidung von deskriptiver und performativer Ebene wiedergibt, ohne bemerkbar zu machen, dass diese Rezension als Internetdokument selbst als Zeuge für das auftritt, wovon die thematisierte Dissertation handelt. Dass dies nicht bemerkt wird hängt wohl mit einer noch verbleibenden Subjekt/Objekt-Unterscheidung zusammen, durch welche sowohl die Dissertation als auch die Rezension geprägt bleibt, eine Unterscheidung, durch die vor allen Dingen auch die Beobachterposition ausgeblendet wird. Man belässt es bei einer fremdreferenziellen Gegenstandsdefinition von visuellen Medien, lässt aber zugleich durchscheinen, dass diese Medien als „Medientexte“ zugleich auf die Medien verweisen, durch die sowohl Dissertation als auch Rezension zutage treten.  Allerdings gelingt dies immer nur auf einer deskriptiven Ebene der Dokumentierbarkeit von Referenzen. Auf der performativen Ebene erscheint diese Rezension schon nicht mehr als Dokument, aber nur sofern sie als Dokument beobachtbar ist, kann sie gleichsam ihre Legitimität beweisen. Der Zugang in die Performativität gelingt durch Passwörter, die diese Performativität nicht mitreflektieren, oder auch durch Ignoranz dessen, worauf man sich einzulassen die Bereitschaft zeigt.

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