Reflexivität: Selbstreferenzialität und Rekursivität

von Kusanowsky

Das scheint aber für einen Systembeobachter zunächst schwieriger zu sein als es sich für ein Beobachgungssystem tatsächlich darstellt, da mit einer Pluralität auch eine Komplexität verbunden ist, womit in der Welt der Organisationen die Zahl der kognitiv erwartbaren Gestaltungsmöglichkeiten und Rationalisierungsstrategien zunimmt, wodurch zugleich aber die Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs einzelner Maßnahmen steigt. Wächst nun aber die Menge der Optionen, so wächst auch die Kontingenz und damit die wechselseitige Bedingtheit von Gestaltungsmöglichkeiten. All das hat zur Folge, dass Rationalisierungsversuche zunehmend als begründungspflichtig oder als „reflexiv“ erscheinen, weil man sich auf Traditionen längst nicht mehr verlassen kann; es sei denn, man unterzieht Traditionen selbst einer Begründungsroutine. Deshalb gilt, dass im Prinzip nichts innerhalb einer Organisation von einer Begründungspflicht befreit werden kann. So wird Reflexivität gleichsam zu einem Merkmal solcher Systeme, deren organisationale Bedingungen in der Autopoiesis praktisch aufgehen.

Dass soziale Systeme sich selbst hervorbringen und organisieren, also nicht irgendwie von außen gesteuert werden, gehört zu den Grundannahmen aller systemtheoretischen Überlegungen, weshalb es in diesem Zusammenhang einer überflüssige Tautologie gleichkäme wollte man von reflexiver Sebstproduktion sprechen. Das Reflexive ist in einem Begriff des Selbst schon verankert, allerdings unter Vernachlässigung des Subjekts. Statt von einem Subjekt auszugehen sollte man Reflexivität als einen Systembegriff nehmen, der die Rückwirkungen von Systemoperationen auf das System beschreibt. Wir haben es also in reflexionstheoretischer Hinsicht mit Selbstreferenzialität und Rekursivität zu tun, welche für Konsistenzprüfungen unerlässlich sind.

Werbung