Selbstthematisierung in der Organisation

Diese Zusammenhänge machen anschaulich, wie schwer es ist, bei gleichzeitig ablaufenden Operationen eine „Reflexionstheorie“ eines System zu etablieren. In Anführungszeichen ist der Begriff Reflexionstheorie deshalb gesetzt, weil diese – obgleich sich auf Wissenschaft berufend – nicht den Charakter einer wissenschaftlichen Theorie sondern eher den eines Selbstbildes haben müsste. Diese Selbstthematisierung der Organisation erfolgt gewöhnlicherweise innerhalb ihrer abgeschlossenen Grenzen und thematisiert die wechselseitigen Beziehungen und Bezugnahmen ihrer Operationen. Die Selbstthematisierung ist Teil des selbstreferenziellen Operierens der Organisation. Unter bestimmten Bedingungen wird dieser Prozess dadurch unterbrochen, dass das System Referenzen auf das Umfeld in seine Selbstthematisierung einbaut. Es externalisiert sich temporär. Charakteristische Anlässe zu solcher selbstreferenzieller Interdependenzunterbrechung sind insbesondere Situationen, in denen es das System zeitweilig nicht vermag, sich Zweifeln und Kritik an seiner Leistungsfähigkeit zu entziehen. Man kann drei drei charakteristische Schritte ausmachen, in denen sich das System externalisiert: Erster Schritt: Durch Selbstthematisierung werden Aspekte von Wissenschaftlichkeit oder andere Kompetenzen integriert. Man externalisiert die eigenen Probleme, indem man sich andere zu eigen macht. Im zweiten Schritt wird häufig beobachtet, dass man sich auf im Umfeld stattfindende Wertedebatten bezieht, nimmt diese quasi in ihre Argumentation auf, was die interne Operationsweise indessen nicht weiter tangiert. Im dritten Schritt verweist man schließlich auf den organisatorischen Rahmen, in dem die Leistungen des Systems zu erbringen sind und schreibt einen allfälligen Misserfolg des Systems den Unzulänglichkeiten der Organisation zu.