Analyse von Funktionssystemen

von Kusanowsky

Wenn Funktionssysteme als operativ geschlossene Systeme aufgefasst werden, dann ist in der Analyse eines sozialen Systems zunächst die spezifische Grundoperation zu beschreiben, mit der es seine Grenze zur Umwelt definiert. Um alle Formen der Kommunikation im emergenten Funktionssystem auf entsprechende Grundoperationen zurückführen zu können, muss außerdem ein Medium bezeichnet werden, in dem sich diese Formen der Kommunikation selektiv ausprägen. Dieses Kommunikationsmedium ist nicht nur für die Selektivität der Kommunikation zuständig. Darüberhinaus sorgt ein entsprechender Mediencode dafür, dass die für die Ausdifferenzierung des Systems erforderliche Binnenkomplexität in jeder aktuellen Operation des Systems reproduziert und damit die Geschlossenheit des Systems gesichert wird. Schließlich sorgen Reflexionstheorien im System dafür, dass Selbst- und Fremdreferenz des Systems auf passende Weise kombiniert bzw. unpassende Kombinationen im Prozess der Evolution angepasst werden.

In diesem Zusammenhang sind für die folgenden Überlegungen Konzepte von Selbstreferenz, Reflexivität, Reflexion und ihre theoretische Verwendbarkeit von Bedeutung. Sie zielen darauf ab, Möglichkeiten sinnhaft gestalteter Evolutionsprozesse sozialer Systeme derart zu beschreiben, dass daraus resultierende Wirklichkeiten als sich selbst beobachtende, sich selbst beschreibende und über Selbstbeschreibungen sich selbst organisierende soziale Wirklichkeit reflektionstheoretisch nachvollziehbar werden. Damit ist wissenssoziologische Perspektive angesprochen. Sie bezieht sich auf die Divergenz semantischer und struktureller Entwicklungen gesellschaftlicher Handlungs- und Kommunikationsbereiche sowie auf die variierenden Relationen zwischen beiden. Die mit diesem Ansatz unterstellten Muster gesellschaftlicher Ordnung und sinnhaft darauf bezogenem Wissen, zwischen Organisationen und Ideen, bieten insofern nicht nur theoretische Differenezen für solche Befunde empirischer Forschung an, welche historisch wie vergleichend die Bedeutung von Deutungsmustern, von “social meanings” oder von “Symbolstrukturen” für unterschiedlich verlaufende Systembildungs- oder Modernisierungsprozesse betonen. Konzepte wie Selbstreferenz und Reflexivität erlauben es vielmehr auch diese Differenz wissenssoziologisch zu vertiefen und für weiterführende Analysen systembezogener Internalisierungsprozesse argumentativ fruchtbar zu machen.

Werbung