Wahrnehmung und Wissenschaft

von Kusanowsky

Wenn die Herausbildung von Bewusstsein als Formbildung im Medium der Wahrnehmungen konzipiert wird, dann müßten sämtliche Gedanken aus dem Medium der Wahrnehmung geformt werden. Das bedeutet, dass Gedanken über Fabelwesen genauso wie Gedanken über Gravitationskräfte, Dejavu-Erlebnisse genauso wie gute oder schlechte Erinnerung, außerdem alles was allgemein in den Bereich von Halluzinationen gehört immer auch Wahrnehmung aktualisieren. Alles an Information, das das psychische System dem neuronalen Gewitter abgewinnen kann, wäre dann als Wahrnehmung zu bezeichnen ungeachtet der Form der neuronalen Prozesse, denn diese sind für das psychische System nicht erreichbar, weil die Differenz von Innen und Aussen immmer Innen vollzogen wird. Wenn wir annehmen wollen, dass das psychische System seine Umwelt intern konstruiert, wie ist dann Luhmanns Konzept der Wahrnehmung als symbiotischem Mechanismus der Wissenschaft zu verstehen? Zum einem ist Wahrnehmung als rein psychischer Prozess ohne jegliche körperliche Komponente konzipiert, zum andern bietet die Wahrnehmung nach diesem Konzept keine Sicherheiten, ob etwas „wirklich gesehen“ wurde oder nur eine Eigenkonstruktion des neuronalen System darstellt. Das Wahre der Wahrnehmung bleibt immer eine systemintern konstruierte Wahrheit, deren spezifischer Wahrheitsgehalt zu bewussten oder sozialen Anschlüssen führen und durch soziale Realitäten verifiziert oder falszifiziert werden kann. Kann Wahrnehmung darum als symbiotischer Mechanismus genommen werden, weil gemeinhin die Annahme Verbreitung findet, man könne Dinge so wahrnehmen, wie sie angeblich wirklich sind?
Man könnte argumentieren, dass es beim symbiotischen Mechanismus „Wahrnehmung“ in der Wissenschaft um die kommunikative Aktualisierung von nur kommunikativ thematisierbaren Umweltleistungen geht, und zwar dann, wenn Krisensituationen auftreten, die dazu führen, unter Referenz auf Körper und deren Wahrnehmungsmöglichkeiten zu testen, ob die Krise mit eigenen Mitteln behoben werden kann oder nicht. Innerhalb der Differenzen einer stabilen Ontik ließe sich entsprechend argumentieren, dass sich eine Mehrheit von Leuten, die die Exsitenz des selben Phänomens bestätigen, nicht täuschen kann. Aber reicht das aus, um Wahrnehmung als symbiotischen Mechanismus für das Wissenschaftssystems zu reservieren? Weil doch gerade diese stabile Ontik erklärungsbedürftig wäre. Wie käme denn ausgerechnet die Wissenschaft zu diesem Problem, wenn nicht auch andere Funktionssysteme das selbe hätten?
Die noch zu leistende Argumentation wäre, nicht Wahrheit als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium der Wissenschaft zu nehmen, sondern Methdode, und diesem Code Denken als symbiotischen Mechnismus zuzuordnen.