symbiotische Mechanismen

von Kusanowsky

Kann ein soziales System neben einem eigenständigen Kommunikationscode einen zugeordneten, nicht austauschbaren symbiotischen Mechanismus ausdifferenzieren, gewinnt es größere Autonomiegrade gegenüber externen Funktionsfeldern. Das Verhältnis zur physisch-organischen Umwelt läßt sich dann ohne Intervention und Störung von außen regeln. Der menschliche Einzelkörper wird also in der Funktion symbiotischer Mechanismen zwar eingeschlossen, er verschwindet dann aber hinter der Emergenz sozialer Realitäten und der Abstraktheit der Kommunikationen. Das bedeutet aber auch, dass Vorgänge in der lebenden Umwelt zunächst als Irritation auf die Kommunikation einwirken, diese Irritationen werden aber durch die symbiotischen Mechanismen aufgefangen und kanalisiert. So bewirken symbiotische Mechanismen, dass Vorgänge in der lebenden Umwelt kommunikabel werden, eben weil sie während der ablaufenden Kommunikation keine Rolle mehr spielen. Auf diese Weise kann in einem Gespräch zum Beispiel das Thema „Gefühle“ aufkommen, ohne, dass man im selben Augenblick auf Gefühle der Beteiligten Rücksicht nehmen müsste. Denn andernfalls würde die Kommunkation sofort zusammenbrechen, weil die Frage nicht beantwortet werden könnte, auf welche Gefühle Rücksich zu nehmen wäre, auf wessen und: auf wessen Gefühle zuerst. Das zeigt, dass symbiotische Mechnismen weder organischer noch psychischer Natur sind, sondern Einrichtungen sozialer Systeme.