Aufmerksamkeit: symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium und symbiotischer Mechanismus

Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien geben Selektionsleistungen Anschlusssicherheit und persistieren systemspezifische Kommunikation. Die Kommunikationsmedien sind mit der organischen Sphäre über symbiotische Mechanismen verbunden. Unsere These, dass es sich bei Aufmerksamkeit um den primären symbiotischen Mechanismus handelt, der für alle sozialen Systeme basal funktionieren muss, beeinhaltet, dass die Ausdifferenzierung symbiotischer Mechanismen wie Gewalt, Sexualität oder Rituale sekundäre Effekte der Aufmerksamkeitserzeugung sind; Effekte, die nicht entstehen könnten, wenn Aufmerksamkeit nicht im Rahmen der strukturellen Koppelung die Beobachtungsverhältnisse bindet. Für die Charakerisierung sozialer Systeme gilt allgemein, dass die Regulierung des entsprechenden symbiotischen Mechanismus ein Bestandteil des Codes ist, mit dessen Hilfe sich ein System schließt. Die Wirkung dieses Codes läßt sich deshalb nicht allein auf eine physische oder organische Wirksamkeit, in diesem Fall also auf Wahrnehmung, beschränken, sondern seine Einprägung geschieht zugleich auf symbolische Weise. Über den symbiotischen Mechanismus Aufmerksamkeit greifen soziale Systme auf ein partikulares organisches Substrat zurück, ohne dass damit ihre Autopoiesis gefährdet  wäre. Alle Systeme, sollten sie eine Funktion in der Gesellschaft übernehmen, brauchen eben dieses, eigens durch sie verfügbar gemachtes Substrat, das hier in Aufmerksamkeit liegt. Das ihr zugeordnete symbolische Kommunikationsmedium ist Wahrnehmung. Damit weichen wir in einem wichtigen Punkt von der Luhmannschen Konzeption ab, der angab, Wahrnehmung sei der symbiotische Mechanismus des Wissenschafssystems und das ihr zugeordnete Kommunikationsmedium sei Wahrheit. Wir wollen an dieser Stelle dieser Abzweigung nicht ausführlicher nachgehen, möchten nur darauf hinweisen, dass es angebracht scheint, die Luhmannsche Konzeption dahin gehend zu revidieren, dass für das Wissenschaftssystem Methode als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium in Frage kommt, als den ihr zugeordneten sekundären symbiotischen Mechanismus nehmen wir Denken.