Transzendentaltheorie und Konstruktivismus

von Kusanowsky

Es gibt nicht nur – wie Luhmann schreibt – keine Beobachtung, die nicht ihrerseits beobachtbar wäre, sondern er scheint außerdem anzunehmen, dass es keine Beobachtung gibt, die nicht empirischen Charakter besitzt. Luhmanns eigene Erkenntnistheorie ist daher auch nicht aufgrund besonderer Vorkehrungen, bestimmter einzuhaltender Kriterien nicht Transzendentaltheorie, sie ist sozusagen automatisch eine solche. Dazu passt auch Luhmanns immer wieder wiederholte Beteuerung, der radikale Konstruktivismus sei keine nicht-empirische Theorie – was immer dessen Vertreter wie z.B. von Glasersfeld auch sagen mögen: „Selbstverständlich ist der Konstruktivismus eine realistische Erkenntnistheorie, die empirische Argumente benutzt.“ (Soziologische Aufklärung, 5.)
Dann aber fragt sich, was denn die Qualifikation einer Erkenntnistheorie als empirisch oder als „naturale Epistemologie“ noch bedeutet, wenn es gar keine andere Möglichkeit gibt, wenn „empirisch“ nicht mehr eine Seite einer Unterscheidung bezeichnet.

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