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Tag: Zirkularität

Zirkularität bei Maturana

„Wenn ich von Zirkularität spreche, so verweise ich auf eine zirkuläre Dynamik des Organismus (und das heißt: eine Zirkularität innerhalb des Nervensystems sowie eine Zirkularität in der Realisierung der Autopoiesis), die dazu führt, dass dieser Organismus dem Medium als eine zirkuläre Ganzheit begegnet. Durch die Begegnung mit dem Medium wird diese Zirkularität nicht aufgebrochen, sondern es ergeben sich strukturelle Veränderungen, die dann ihrerseits den Strom der Zirkularität verändern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Feedback des Mediums oder eine Beziehung nach dem Muster von Output und Input, sondern um eine wechselseitige Strukturveränderung von Organismus und Medium. Das ist eine vollkommen andere Situation. Und wenn die Zirkularität durch die Begegnung mit dem Medium zerstört wird, dann stirbt der Organismus“ (Maturana/Pörksen 2002: Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. Heidelberg, S. 158).

Zirkularität und hermeneutischer Zirkel

Die Systemtheorie kommt ohne den Begriff der Zirkularität nicht aus. Oft wird behauptet, auch bei Luhmann fände sich das Konzept des hermeneutischen Zirkels. Der Unterschied ist aber enorm, obwohl man freilich von einem analogen Phänomenen sprechen kann. Der hermeneutische Zirkel bezieht sich auf die Reflexivität, das selbst-bewusste Denken des Subjekts, die Zirkularität der Systemtheorie auf Rückwirkung und Selbstreferenz von Kommunikation in Systemen und die sich daraus ergebende Kontingenz. Ein Subjekt, also ein intentional agierendes Individuum problematisiert die Systemtheorie in diesem Zusammenhang nicht.

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