Das Gedächtnisproblem der Ziegentheoretiker #ziegenproblem

von Kusanowsky

Wenn man will, kann man nun in so einem Sinne den Verlauf, der durch das Ziegenproblem beschrieben wird entsprechend informationstheoretisch als Prozess der  Unsicherheitsabsorbtion beschreiben. In dem man nämlich eine iterative Interaktion zwischen Moderator und Proband beschreibt: Der Proband wählt eine Tür und der Moderator reagiert genau darauf. Konkret: Der Auswahlbereich für den Moderator (die übrigbleibenden Türen), aus dem er dann eine Ziegentür öffnet, wird von der Selektion des Probanden vorher eingeschränkt. Unter den übersichtlchen Bedingungen der Ziegenproblemstellung gilt so: Die Selektion des Probanden schränkt den Auswahlbereich für eine darauf folgende Selektion des Moderators ein und so reichert wiederum die folgende Selektion des Moderators (Ziegentür öffnen) das Unwissen des Probanden mit einem Informationssurplus an … (vollständig bei beliebig)

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Die Diskussion um das von christorpheus add eingebrachte “Ziegenproblem” lässt sich paradigmatisch als eine Hyposenthesengenerator verwenden um zu entscheiden, mit welcher Leitdifferenz eine Wissenschaft des Sozialen es zu tun bekommt, wenn sie einen Theorie der Kommunikation betreiben will. Diese Leitdifferenz ergibt sich dann nicht länger aus Fragen der Wahrheit, sondern aus Fragen der Möglichkeit. Will man dagegen Fragen der Wahrheit, Fragen nach Richtigkeit, Exaktheit oder gar Fragen der Überzeugungsfähigkeit von Argumenten voranstellen, so kommt man über kurz oder lang in die Enge von Problemstellungen, die keinen Ausweg mehr zulassen als einen solchen Weg, durch den sich das Problem ergibt. Jeder Versuch einen Ausweg zu finden, ist damit zugleich eine Maßnahme, um die Ausweglosigkeit herzustellen.
Zeigen kann man dies am sog. Ziegenproblem, welches nämlich kein entscheidungstheoretisches Problem ist. Als entscheidungstheoretisches Problem wäre es relativ banal und würde, wollte man es dennoch als solches behandeln, die beinahe unbeantwortbare Frage aufwerfen, wie es denn nur sein könne, dass in dieser Sache so viel Argumentationsaufwand betrieben wird. Wollte man der Frage mit der Antwort ausweichen, es handele sich dann nur um eine Unterhaltungsfrage für spieltheoretische Laien, dann zeigt sich, dass dies erst recht kein entscheidungstheoretisches Problem ist. Denn wollte man auch zugeben, dass es zur Unterhaltung gut geeignet ist, dann bleibt immer noch Frage übrig: warum der Aufwand? Nur, weil es Spaß macht?

Diese Naivität findet ihr Gegenstück in der Behauptung eines engagierten Ziegentheoretikers, es handele sich um die Täuschung von Menschen, die nach der ersten Wahl eine 1/2-Chance erwägen, statt die Steigerung der Wahrscheinlichkeit von 2/3 zu erkennen. Diese Banalität führt auf die nächste Banalität hinaus, die lautetet, wenn Täschung im Spiel sei, so täuscht sich stets der andere.

Wenn man sich dieser Betrachtungsweise nicht anschließen will, so muss man die Betrachtungsweise ändern und sich fragen, aus welchem zutreffenden Grund diese oder diese Betrachtung als Möglichkeit anschließbar ist, nicht, wer Recht hat.

Zurückliegend hatte ich versucht zu erklären, warum die Erwägung einer 1/2-Chance keineswegs eine Täuschung ist, sondern nur ein – unter Umstanden sogar erfolgreiches – Spielverhalten, indem in der Interaktion zwischen Spieler und Spielleiter der Spieler vor seiner zweiten Wahl eine Münze wirft, um zu entscheiden, ob er die Wahl ändert oder nicht. Dieser Versuch könnte nämlich ein Täuschungsversuch sein, um den möglichen vorhergehenden Täuschungsversuch des Spielleiters zu neutralisieren. Denn da der Spielleiter darüber informiert ist, wie die erste Wahl des Spielers ausgegangen ist, könnte er ihn mit dem Versuch eine Niete zu zeigen, von seiner Wahl abbringen. Dann würde eine Täuschungsmanöver ein vorhergehendes neutralisieren. Wenngleich der Spieler mit seinem Münzwurf eine Gewinnchance opfert, so wird damit im doppelt kontingenten Beobachtungszusammenhang nachfolgend jede weitere Möglichkeit der Täuschung aussortiert. Und auch damit ist angezeigt, dass das zu diskutierende Problem nicht ohne die Annahme beurteilt werden, dass es sich um ein Gedächtnisprodukt handelt. Das wiederum könnte die Möglichkeiten für die im Anschluss zu beantwortende Frage aufgliedern:

  1. Entsteht ein Gedächtnis trotz der Unsicherheit durch doppelte Kontingenz?
    • Ist deshalb ein Gedächtnisverlust wahrscheinlicher als ein Gedächtnisgewinn?
    • Und wenn ein Gedächtnisverlust wahrscheinlicher ist, ist dies die bessere Voraussetzung für die Anschlussfähigkeit von Kommunikation?

    Oder:

  2. Entsteht ein Gedächtnis aufgrund dieser Unsicherheit?
    • Wird diese Unsicherheit durch ein Gedächtnis absorbiert?
    • Oder ist gerade diese Unsicherheit die Möglichkeit für die Steigerung der Wahrscheinlichkeit einer Gedächtnisbildung, welche die bessere Voraussetzung für die Anschlussfähigkeit von Kommunikation ist? Was heißen könnte, dass ein komplexeres Gedächtnis die Unsicherheit vergößert und durch diese Vergößerung die Wahrscheinlichkeit einer Gedächtnisbildung steigert und die eines Gedächtnisverlusts zugleich minimiert.

 

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