Die Frömmigkeitspraxis der Kritik

von Kusanowsky

Zu sprechen wie ein Gebet zur richtigen Stunde

Auf den Gemeinplätzen trifft man sich
Um einander die Pläne zu stutzen
Und Worte auszutauschen
Die das Leben in ein Kassengestell einfassen
Die vom Einklang der Welt erzählen
Mit dem Singsang kommunistischer Freudlosigkeit
Dort glaubt man an die Gültigkeit von Begriffen
Die die Sehnsucht mit Schuhen versehen
In denen sie tanzen kann
Aber niemals laufen lernt
Zu den aufgebahrten Worten
Zu sprechen wie ein Gebet
Zur richtigen Stunde

(hier gefunden)

Ein Gedicht als Beitrag zur Beobachtung einer Frömmigkeitspraxis der Kritik, die sich aufgrund ihrer aufklärerischen Unverschleiertheit selbst verdunkelt; sie dadurch als Naivität, als Banalität und Trivialität unerkennbar wird, weil sie durch ihr beständiges Scheitern die Erwartung wiederholt, es könne beim nächsten Mal etwas Besseres herausspringen als die fortgesetzt festellbare Besinnungslosigkeit.
Es muss bis zur vollständigen Ohnmacht gehen, ohne welche Besinnung (Metanoia) nicht zustande kommen kann.

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