peer-review-Blogs zum Mitnehmen?

von Kusanowsky

Auf der Seite http://de.hypotheses.org/ gibt es für Blogger die Möglichkeit, per Internet wissenschaftlich zu publizieren, ohne auf die Vermeidungsstrukturen der universitäten Wissenschaft verzichten zu müssen. Unter dieser Plattform firmieren Blog-Beiträge, die nach einem peer-review-Verfahren ausgewählt und die – wie in anderen Fällen bekanntermaßen auch – sorgfältig und kritisch auf ihre Wissenschaftlichkeit geprüft wurden, damit keiner auf die Idee kommt, eigenmächtig etwas als wissenschaftlich zu behaupten, das nicht zuvor mit einer Genehmigung versehen und gestempelt wurde. Das ist ein sehr bemerkenswerter Versuch, Vermeidungsstrukturen durchzuhalten. So kündigt sich einerseits der Niedergang dieser Wissenschaft an, indem sie sich auf realtitätsfremde Unterscheidungen konzentriert. Publizieren im Netz kann jeder, denn wie man weiß, ist Wissen das Ergebnis der ganzen Gesellschaft, jedoch kann der Zugang zu Privilegien nicht anders gerechtfertigt werden als durch intransparente Selektionsmechanismen (peer-review), die am Ende nur noch ein bürokratisches “So sei es- Amen” feststellen, ohne damit zugleich den Prozess der zirkulierenden Verknüpfung von Sinnelementen verstehen zu können, durch welchen schließlich gewusst werden kann, was gewusst wird. So besteht das herausstechendste Merkmal der Privilegierung der universitären Wissenschaftler weniger darin, dass sie Titel erhalten und lebenslang alimentiert werden, sondern darin, dass sie nicht darüber nachdenken brauchen, wie Wissen möglich ist, weil das für sie mögliche Wissen nur durch das Ausfüllen komplizierter bürokratischer Formulare zustande kommt. Diese Wissenschaft kann kein Wissen mehr produzieren, das nicht schon auf anderem Wege vor ihr zustande gekommen ist, und das Privileg wäre: Ignoranz. Nur darauf kommt es für sie an. Und wenn sie jetzt auch damit anfängt, Blogs abzustempeln, dann werden diese Selektionsmechanismen in ihrer Kompliziertheit noch gesteigert, und zwar soweit, dass heraus kommen wird, was auch jetzt schon gewusst werden kann: dass aufgrund der Intransparenz dieses Verfahren nicht mehr überzeugt. Damit kündigt sich der Niedergang, die Selbstmarginalisierung der universitären Wissenschaft an. Die Welt dieser Wissenschaft wird schließlich auf das Zitiertwerden reduziert. Der Wissenschaftler weiß schließlich nur eines ganz genau: ob seine Schriften zitiert wurden.

Andererseites sind solche Versuche sehr wichtige, aber vorsichtige Tastschritte, um dem Unvermeidbaren doch nicht aus dem Wege zu gehen. Denn diese Plattform ist ja nur eine Firma, die Zitierwürdigkeit garantiert, nicht Publikationsfähigkeit. Ob es innerhalb dieser Intransparenz dauerhaft möglich bleiben wird, das Verlinken unwissenschaftlicher, also aussortierter Texte erfolgreich zu verbieten? Denn diejenigen, die aus diesem peer-review-Verfahren aussortiert werden, müssen sich nicht länger damit begnügen, durch diese Vermeidungsstrukturen der  Wissenschaft marginalisiert zu werden, womit sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass die zunhemende Selbstmarginalisierung dieser Form der Wissenschaft es auf der anderen Seite erbringt, dass die durch sie marginalisierten Forscher sich nicht mehr länger marginalisieren lassen müssen. Sie könnten genauso gut unwissenschaftlich publizieren; und ihre Reputation von einem anderen Faktor abhängig machen als durch Verlass auf eine kafkaeske Firma.

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