Dieser Beitrag wurde geschrieben von am Dienstag, 31. Januar 2012 um 09:34 und eingeordnet unter Uncategorized.
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4 Antworten
Stimmt doch auch:
“Aus jedem Besuch des Kinos komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus.” (Adorno, Minima Moralia)
Bitte Miran, wie stellt man das am besten fest:
“… komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus” –
Adorno mag das geübt haben, ich nicht.
Vor allem:
Wozu könnte es gut sein, das
a) herauszufinden
und
b) zu erklären?
Kann das sein, daß soetwas auch damit zu tun hat, ob, warum, wann und wie oft ich in welches Kino mit welchem Film gehe und wann ich da wieder herauskomme?
Und was davon hätte dann mit “Wachsamkeit”, mit “Kino” oder mit mir zu tun?
Wer ist denn hier (in diesem Satz) “der Schund”,
und wer gibt den TON an zu diesem Film, ja welcher Hund?
Fragen, nichts als Fragen,
Alle sollen die ertragen.
Dann filmt doch eben nur den Ton –
das habt ihr nun davon.
Lusru - 1. Februar 2012 um 00:51
Also ich verdanke tatsächlich dem Stummfilm mein Leben, jedenfalls so wie es dann geworden ist:
Meine Mutter wurde drei Wochen nach meiner unehelichen Geburt achtzehn Jahre alt. Sie lebte geliebt und unbeschimpft noch bei ihren Eltern, also bei meinen Grosseltern. Drei Jahre ging das gut. Meine Grossmutter, eine überzeugte Kommunistin, (ihr Mann, mein Grossvater, ein ungelernter Fensterputzer, war, aus Magdeburg nach Berlin gekommen, ein eingefleischter Sozialdemokrat), die Oma also war eine “Obsthändlersche”, soll heissen: sie hatte einen vierrädrigen Handwagen, den sie allmorgentlich zur Grossmarkthalle am Berliner Alexanderplatz zog, um dort ihr Obst einzukaufen, dass sie dann vor dem Zaun der Volksschule in der Palisadenstrasse an ihre arg gemischte Kundschaft verkaufte, die der Leser hier sich angesiedelt vorstellen muss zwischen einem armen Arbeiterpublikum und einem kaum reicheren, doch meist gebildeteren Publikum jüdischer Provenienz, zum Beispiel die Hausbesitzer, in deren Häusern, steingewordene Altersversicherungen, diese Arbeiter eben wohnten.
Als ich drei Jahre alt war, brachte meine Mutter genau an meinem Geburtstag, dem Heiligen Abend, einen bedeutend strammeren Jungen, als ich es war, zur Welt. Die Ursachenkette: Sie hatte ihrer Mutter zwar den Haushalt geführt, aber daneben, weil das Geld knapp war, (ihre fünf Geschwister waren längst aus dem Haus und in alle Winde zerstreut), daneben hatte sie als Platzanweiserin im letzten Berliner Stummfilmkino in der Kleinen Frankfurter Strasse gearbeitet. Dort machte ein studierter Musiker im Orchestergraben mit einer guten Handvoll Musiker die den Stummfilm belebende erforderliche Musik. Und meiner Mutter hatte er dieses zweite Kind gemacht. Er war nicht nur Musiker, er war auch ein braver Mann und heiratete meine Mutter prompt. Und weil er nicht nur Musiker und brav war, sondern obendrein auch noch SA-Mann, (er war nicht MEIN Vater), da donnerte die Kommunistin: “Det Jör (also mich) bekommt dieser Kerl nich!” Und da ich mich an meine ersten drei Jahre partout nicht erinnern kann, wuchs ich also ohne Mutter bei meinem Grosseltern auf. Das Stummfilmkino in der Kleinen Frankfurter stellte auch alsbald auf Tonfilm um, und mein Stiefvater, (der mich adoptieren wollte, aber nicht durfte, wegen Omas ideologischer Einseitigkeit), der machte fortan Musik im “Paradiesgarten” in Treptow, einem beim einfachen Volk beliebten Tanzlokal.
Der Volksmund kommentiert solche Sachen mit dem Spruch, man wisse schliesslich nie, wozu etwas gut sei. Der Stummfilm und sein guter Job haben den SA-Mann beflügelt, meiner Mutter zu versprechen, mich zu adoptieren. Der Einspruch meiner kommunistischen Oma hat dies verhindert. Die Entlassung aus dem Kinobetrieb liess den arbeitslosen SA-Mann zunächst froh sein, nur für (s)ein Kind sorgen zu müssen. Und so wurde ich nicht musikalisch erzogen, (obwohl ich einen ziemlich nach Harmonie strebenden Charakter habe), sondern mit einem ausgeprägt sozialistischen Denkprofil. Nicht nur Bücher und BLOGS haben ihre Schicksale, Menschen eben auch.
Hallo fast Stummfilmadaptierter dieter -bohrer, da sind wir schon wieder (alle da).
Es geht doch nicht “für den Stummfilm” sondern “Gegen den Tonfilm”.
Macht nichts, ist ja manchmal auch das Gleiche.
Auch Filme haben ihre Geschichte.
Mein “erster Film” – in dem ich mitspielte, ja! – war kein Stummfilm und spielte auch zu einer Zeit, als die “SA schon Flugzeuge (übrig) hatte und welche nach Spanien vertrieb.
Ich war Schütze A… in einem Schütze-A..-Graben und hatte zu schießen und zu buddeln, und zu warten, auf Wolken, auf Sonne, auf Regen, Auf die Maske, auf mein Gewehr, auf den Filmeintopf, auf diesen oder jenen Schauspieler, auf den Regisseur, auf meinen Einsatz – den Rest habe ich vergessen, da das ziemlich lang war(eine Woche), eher langweilig.
Aber:
Meine “Kollegen” Mitspieler waren nur solche Schauspieler wie Manfred Krug, Günter Naumann, Erwin Geschonneck, Armin Müller-Stahl, und die Regie führte der unersetzbare Frank Beyer, aber hallo.
Ich hatte sie gut verstanden und genau beobachtet, sie mich wohl weniger, da ich zu weit weg war.
Es ging um fünf Patronenhülsen und ein darin verstecktes Geheimnis, angeblich ein Befehl darin verteilt, der von obigen (damaligen) Jungschauspielern aus dem zerbombten kaputten Spanien herausgeschmuggelt werden “mußte”, weil er angeblich von großer Wichtigkeit für den Rest der Spanienkämpfer in Frankreich sei.
Von einem “Stummfilm” konnte nicht die Rede sein, von einem “guten Ton” aber auch nichtt, ständig wurde gerufen, geballert oder eine Klappe gehauen. Jawoll.:gehauen!
Es war sehr erregt alles, eben Krieg, mitten in der Heide-Kreide-Landschaft an der Teufelsmauer im Harz.
Stimmt doch auch:
“Aus jedem Besuch des Kinos komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus.” (Adorno, Minima Moralia)
Bitte Miran, wie stellt man das am besten fest:
“… komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus” –
Adorno mag das geübt haben, ich nicht.
Vor allem:
Wozu könnte es gut sein, das
a) herauszufinden
und
b) zu erklären?
Kann das sein, daß soetwas auch damit zu tun hat, ob, warum, wann und wie oft ich in welches Kino mit welchem Film gehe und wann ich da wieder herauskomme?
Und was davon hätte dann mit “Wachsamkeit”, mit “Kino” oder mit mir zu tun?
Wer ist denn hier (in diesem Satz) “der Schund”,
und wer gibt den TON an zu diesem Film, ja welcher Hund?
Fragen, nichts als Fragen,
Alle sollen die ertragen.
Dann filmt doch eben nur den Ton –
das habt ihr nun davon.
Also ich verdanke tatsächlich dem Stummfilm mein Leben, jedenfalls so wie es dann geworden ist:
Meine Mutter wurde drei Wochen nach meiner unehelichen Geburt achtzehn Jahre alt. Sie lebte geliebt und unbeschimpft noch bei ihren Eltern, also bei meinen Grosseltern. Drei Jahre ging das gut. Meine Grossmutter, eine überzeugte Kommunistin, (ihr Mann, mein Grossvater, ein ungelernter Fensterputzer, war, aus Magdeburg nach Berlin gekommen, ein eingefleischter Sozialdemokrat), die Oma also war eine “Obsthändlersche”, soll heissen: sie hatte einen vierrädrigen Handwagen, den sie allmorgentlich zur Grossmarkthalle am Berliner Alexanderplatz zog, um dort ihr Obst einzukaufen, dass sie dann vor dem Zaun der Volksschule in der Palisadenstrasse an ihre arg gemischte Kundschaft verkaufte, die der Leser hier sich angesiedelt vorstellen muss zwischen einem armen Arbeiterpublikum und einem kaum reicheren, doch meist gebildeteren Publikum jüdischer Provenienz, zum Beispiel die Hausbesitzer, in deren Häusern, steingewordene Altersversicherungen, diese Arbeiter eben wohnten.
Als ich drei Jahre alt war, brachte meine Mutter genau an meinem Geburtstag, dem Heiligen Abend, einen bedeutend strammeren Jungen, als ich es war, zur Welt. Die Ursachenkette: Sie hatte ihrer Mutter zwar den Haushalt geführt, aber daneben, weil das Geld knapp war, (ihre fünf Geschwister waren längst aus dem Haus und in alle Winde zerstreut), daneben hatte sie als Platzanweiserin im letzten Berliner Stummfilmkino in der Kleinen Frankfurter Strasse gearbeitet. Dort machte ein studierter Musiker im Orchestergraben mit einer guten Handvoll Musiker die den Stummfilm belebende erforderliche Musik. Und meiner Mutter hatte er dieses zweite Kind gemacht. Er war nicht nur Musiker, er war auch ein braver Mann und heiratete meine Mutter prompt. Und weil er nicht nur Musiker und brav war, sondern obendrein auch noch SA-Mann, (er war nicht MEIN Vater), da donnerte die Kommunistin: “Det Jör (also mich) bekommt dieser Kerl nich!” Und da ich mich an meine ersten drei Jahre partout nicht erinnern kann, wuchs ich also ohne Mutter bei meinem Grosseltern auf. Das Stummfilmkino in der Kleinen Frankfurter stellte auch alsbald auf Tonfilm um, und mein Stiefvater, (der mich adoptieren wollte, aber nicht durfte, wegen Omas ideologischer Einseitigkeit), der machte fortan Musik im “Paradiesgarten” in Treptow, einem beim einfachen Volk beliebten Tanzlokal.
Der Volksmund kommentiert solche Sachen mit dem Spruch, man wisse schliesslich nie, wozu etwas gut sei. Der Stummfilm und sein guter Job haben den SA-Mann beflügelt, meiner Mutter zu versprechen, mich zu adoptieren. Der Einspruch meiner kommunistischen Oma hat dies verhindert. Die Entlassung aus dem Kinobetrieb liess den arbeitslosen SA-Mann zunächst froh sein, nur für (s)ein Kind sorgen zu müssen. Und so wurde ich nicht musikalisch erzogen, (obwohl ich einen ziemlich nach Harmonie strebenden Charakter habe), sondern mit einem ausgeprägt sozialistischen Denkprofil. Nicht nur Bücher und BLOGS haben ihre Schicksale, Menschen eben auch.
Hallo fast Stummfilmadaptierter dieter -bohrer, da sind wir schon wieder (alle da).
Es geht doch nicht “für den Stummfilm” sondern “Gegen den Tonfilm”.
Macht nichts, ist ja manchmal auch das Gleiche.
Auch Filme haben ihre Geschichte.
Mein “erster Film” – in dem ich mitspielte, ja! – war kein Stummfilm und spielte auch zu einer Zeit, als die “SA schon Flugzeuge (übrig) hatte und welche nach Spanien vertrieb.
Ich war Schütze A… in einem Schütze-A..-Graben und hatte zu schießen und zu buddeln, und zu warten, auf Wolken, auf Sonne, auf Regen, Auf die Maske, auf mein Gewehr, auf den Filmeintopf, auf diesen oder jenen Schauspieler, auf den Regisseur, auf meinen Einsatz – den Rest habe ich vergessen, da das ziemlich lang war(eine Woche), eher langweilig.
Aber:
Meine “Kollegen” Mitspieler waren nur solche Schauspieler wie Manfred Krug, Günter Naumann, Erwin Geschonneck, Armin Müller-Stahl, und die Regie führte der unersetzbare Frank Beyer, aber hallo.
Ich hatte sie gut verstanden und genau beobachtet, sie mich wohl weniger, da ich zu weit weg war.
Es ging um fünf Patronenhülsen und ein darin verstecktes Geheimnis, angeblich ein Befehl darin verteilt, der von obigen (damaligen) Jungschauspielern aus dem zerbombten kaputten Spanien herausgeschmuggelt werden “mußte”, weil er angeblich von großer Wichtigkeit für den Rest der Spanienkämpfer in Frankreich sei.
Von einem “Stummfilm” konnte nicht die Rede sein, von einem “guten Ton” aber auch nichtt, ständig wurde gerufen, geballert oder eine Klappe gehauen. Jawoll.:gehauen!
Es war sehr erregt alles, eben Krieg, mitten in der Heide-Kreide-Landschaft an der Teufelsmauer im Harz.
Den Rest dann morgen.