Der Metascherz der post-privacy
Ein Google-Troll schrieb heute:
Metascherze sind Zeichen epistemologischer Verzweiflung.
Ich glaube eher der Ausdruck “Metascherz” ist ein Zeichen epistemologischer Ratlosigkeit, weil er auf Ideenarmut verweist. Man nimmt ein Wort, das semantisch so uneindeutig ist, dass gerade durch diesen Unterschied der Eindruck entsteht, es könnte damit etwas Genaueres bezeichnet worden sein, über dessen Bedeutung weiterer Informationsbedarf besteht. Diese Methode kennt man besonders durch die Verwendung von Anglizismen. Sie bedeuten nicht viel und nur darum kann man sie bedeutungsvoll verwenden, weil sie auf einen Unterschied aufmerksam machen, dessen Relevanz sich nur dadurch ihre inflationäre Verwendung ergibt, sobald informationsbedürftige Anschlussfindungen verbreitet werden. Alle reden dann darüber, und dann ist es relevant, wie semantisch arm diese Verschiebung auch immer sein mag. Beispiel: die “post-privacy- Diskussion. Es geht um nichts anderes als um ein Thema, dass seit 150 Jahren scheitert. Aber wenn man einen Anglizismus wählt, kann man auf einen Unterschied aufmerksam machen und dann darf die Diskussion noch einmal scheitern, weil sie auf diese Weise noch nicht gescheitert ist. Dazu zählt auch die Verwendung von Prä- und Suffixen oder die Erfindung von “Ismen” aller. Auf die Diskussion über die Frage was Privatheit ist, folgt bei indifferentem Ergebnis eine post-privacy-Diskussion, auf die eine trans-privacy-Diskussion folgt. Und bald wird dann von einer neo-privacy die Rede sein dürfen. Diese Diskussionen können nur funktionieren, wenn sie so etwas wie “Metascherze” verbreiten.
Post-Privacy ist ein solcher Metascherz.
Ich fühl mich jetzt mal sonntäglich angepisst.
Mit dem Trollbegriff scheints Du Dir eine komische Imunisierungsstrategie aufzubauen. Inclusion, Exclusion. Ansonsten dacor.
Nein. Warum bist du angepisst, wenn du dich an Trollkommunikation beteiligst? Du pisst doch ebenfalls andere an? Oder ausgerechnet du nicht? Wir kennen uns doch nicht persönlich. Wie kommst du denn darauf, dass ich dich stören will? Wer stört dich denn? Ich? Und mit welchen fragwürdigen Methoden hab ich das denn schon wieder hinbekommen?
@Kusanowski – ich denke – und beziehe mich selbstverständlich sofort ein – wer im deutschen Sprachraum schreibt und auf eine andere Sprache ausweicht, der steht im Grunde schon auf Glatteis. Die Tschechen haben zwar ein schönes Sprichwort, das da lautet, je mehr Sprachen man spreche, desto mehr sei man Mensch, dennoch – meine ich – sollte man die Ausdruckkräfte der einen Sprache nicht vermischen mit dem sinnhaften Befinden einer anderen. Auch wenn es um irgendeine Fachterminologie geht, es ist immer eine gute Übung, wenn die Versuchung auftaucht, in eine andere Sprache auszuweichen, noch einmal einen kräftigen und mutigen deutschen Anlauf zu nehmen. (Dass ich mich hierbei gegen jeden albernen Vorwurf eines falsch verstandenen Nationalismus verwehre, muss ich wohl nicht betonen). Wer deutsch sozialisiert wurde, wer also Deutsch als seine Muttersprache in seinem “Vaterlande” gelernt hat, der bemühe sich, alles, was er zu sagen weiss, auch auf deutsch zu sagen. Dann gilt auch für ihn noch immer der schöne Luhmannsatz: Das Gesagte ist allemal das Gemeinte schon nicht mehr.
nunja, warum dieser Sprachrassismus? Anglizismen sind nicht schlechtere ismen als Gräezismen oder Latinismen – von denen Sie hier opulent Gebrauch machen. Ich gebe Ihnen Recht – die Phraseologien sind, egal in welcher Mundart getarnt, im Hirn blasenbildend und furchtbar.
Mitunter nichteinmal auf dem Niveau eines Faktoids.
ja.
#Carsten Hucho – man kann es keinem recht machen, wenn er nicht will: gegen den zu erwartenden Vorworf des “Nationalismus” habe ich mich rechtzeitig gewehrt, und was passiert: Ein ganz Kluger erfindet das Wort “Sprachrassismus”. Man muss sich staunend und verwundert an den Kopf fassen:
Ich habe ja “Anglizismen” gar nicht kritisiert oder schlecht gemacht, sie sind bloss fast immer überflüssig. Wenn ich mich englisch ausdrücken wollte, hätte ich englisch geschrieben. Ich habe von 1960 bis 1962 als technischer Beamter in England gelebt. Wenn ich englisch schreibe, bin ich ein ganz anderer Mensch; (siehe das erwähnte tscheschische Sprichwort). Es ist eben nicht dasselbe, ob ich “Hals über Kopf” sage oder “head over heals”. Weltsprache Englisch hin oder her: Hier im deutschen Sprachraum kann man und sollte man die Welt, die man beschreiben will, auch konsistent in der deutschen Sprache beschreiben. Wer das dann auf Englisch, Griechisch, Latein oder Französisch will, (weil es es kann, wenn er es kann), bitte sehr, es steht dem ja nichts im Wege. Nur dieses ewige Denglisch oder Franglais, das ist das alberne. Mit “Sprachrassismus hat dies überhaupt nichts zu tun.
@dieterbohrer: “aber es ist deutschland hier” http://youtu.be/6wKzefRyDfw
@Carsten Hucho 28. November 2011 14:44
“…die Phraseologien sind, egal in welcher Mundart getarnt, im Hirn blasenbildend und furchtbar. Mitunter nichteinmal auf dem Niveau eines Faktoids. …”
Jo, und warum plazierst du dann diese “Sprachrassismus”-Phraseologie hier? Wo ist da dein zu akzeptierender Ansatz?? Kann es sein, daß du in einer anderen Sprache denkst als du fühlst – oder fühlst du gleich in mehreren Sprachen und läßt dich somit leicht im Denken verwirren, so daß nur noch oberflächlicher SprachAntiRassismus dir helfen kann? Übrigens: Ja, auch FÜHLEN kann man letztlich nur in Sprache, und 3 x darfst du raten, in welcher das wohl passiert …
Gibt es bei dir das, was gegenwärtig gerade Völkerstämme als frühkindliche Bildung (wieder) schätzen gelernt haben und so früh wie möglich als MUTTERSPRACHE fördern wollen?
Warum macht das wohl ein jedes Volk in seiner Sprache?
Man könnte doch einfach seinen Sprachgeist an den Nagel hängen und widerkäuen, was die Sokrates der vielen Länder mal liegen ließen … – ?
“…Man nimmt ein Wort, das semantisch so uneindeutig ist, dass gerade durch diesen Unterschied der Eindruck entsteht, es könnte damit etwas Genaueres bezeichnet worden sein,…” ja, aber warum mangels eigener “Masse (auch: Maße?)” immerzu in Denglisch oder Franglais oder sogar latrinisch?
dieterbohrer hat es doch hier voll gepackt, das Thema, sprachlich, gleich 2 x, ist der so schlecht verständlich? – Ich denke nicht, es sei denn, man ist in Babylon aufgewachsen und kann nicht mehr anders, wegen der frühen (sprachlichen) Prägung …
Dann hilft nur lesen, hören, lesen, hören, lesen, hören – und evtl. irgendwann fragen, reden.