Differentia

Monat: September, 2011

Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert werden

Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert werden. Deaktivieren Sie Ihre Schutzschilde und ergeben Sie sich. Wir werden ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!

Wer Asterix gelesen hat, dem fällt dazu dieser lateinische Aphorismus ein: Alea jacta est. (G. J. C.) Und wer Star Trek kennt, kann sich vorstellen, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.
Bevor sich heraus stellen wird, dass der Erfolg von Google und Facebook nur aus einer gigantischen Aufblähung von Erwartungserwatungen besteht, muss eines von beiden Unternehmen das imperiale Mandat erringen. Erst dann kann man herausfinden, was gegenwärtig nur Soziologen aus der Provinz, die sonst kaum ernst genommen werden, argumentativ versuchen zu erklären, dass nämlich der Gewinner dieses Wettrennens nicht mehr mitteillen kann, was er gewonnen hat. Wer könnte es noch bemerken? Alle Operationen des Gewinners erzeugen nur weiterere Datensätze in seiner Sammlung, die der Gewinner, wenn er seine Sammlung noch auswerten will, durch Einschränkungen ihrer Verfügbarkeit gewinnen kann. Aber diese Einschränkung der Verfügbarkeit ist auf Bedingungen der Selektion angewiesen, über die der Gewinner nicht beliebig verfügt, weil er andernfalls Beliebiges und damit Unbrauchbares zur Erhaltung seiner Stellung als Gewinner geliefert bekäme. Will er also Gewinner bleiben, braucht er Konkurrenten, die er ausstechen könnte, heißt: verlieren alle anderen das Rennen, verliert auch der Gewinner das Rennen. Es sei denn das Rennen geht weiter, aber dann kann niemals nur einer gewinnnen. Und solange des Rennen weiter geht, gibt es kein imperiales Mandat.
Daraus ergibt sich, dass alle Klagen gegen Facebook und Google gegenstandslos sind, weil mit der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit auch die Bedingungen dieser Steigerbarkeit gesteigert werden. Ein Möglichkeit der Steigerung besteht darin, dass Netzwerknutzer wissen wollen, was das Unternehmen über sie bereits gesammelt hat, was, wenn das Unternehmen darüber Auskunft gibt, dazu führt, dass das Unternehmen hinterher über den Nutzer noch mehr weiß als vorher.
Empirisch drückt sich das aus in einer Beobachtung, in bei der sog. “datenschutzkritischen Spackeria” zu lesen war:

Man will sich seine Daten „holen“. Und um das zu können, muss man Facebook erstmal ne Handvoll Daten *geben* und obendrein sich noch per Ausweiskopie verifizieren. Bin ich der einzige, dem das irgendwie komisch vorkommt? Und wenn ich das gemacht habe, dann habe ich ein PDF, mit dem ich nichts anfangen kann. Achja, und die Daten selbst bleiben natürlich trotzdem bei Facebook, ich bekomm ja nur ne Kopie. Das ist doch auf mehreren Ebenen kaputt. Am Ende dieser unheimlich lehrreichen Aktion ist also Folgendes passiert: Facebook kennt jetzt mehr meiner richtigen Daten, ich habe meinen Account per Ausweiskopie ohne Zwang verifiziert und als Belohnung dafür bekomme ich eine Handvoll in PDF gegossene Glasperlen.

Das zeigt, wie sehr die Verstrickung in das Beobachtungsverhältnis entweder auf Ausweglosigkeit hinaus läuft oder auf die Änderung des Beobachtungsverhältnisses, um die Kommunikation fortsetzen zu können. Und letztere Möglichkeit könnte alle Assimilierungszudringlichkeit harmlos machen, wenn der Problemdruck, der aus der ersten Möglichkeit resultiert, überwunden ist.
Und die Überwindung dieses Problemdrucks wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schmerzlos zu haben sein.
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Meine Daten – deine Daten?

Würde man einem Bäcker vertrauen, der sich weigert, sein eigenes Brot zu essen?
Ein Rotzlöffel namens Mark Zuckerberg hat neulich mit großkotziger Dämlichkeit einen imperialen Machtanspruch mit den Worten angekündigt: “Entweder ihr macht mit oder ihr geht unter!” Inzwischen droht Facebook mit seinem eignen Untergang, indem es sich weigert, bei sich  selbst mitzumachen. Erkennen kann man dies daran, dass Facebook sich weigert, Nutzerdaten herauszugeben. Facebook bezeichnet die persönlichen Daten seiner Nutzer nämlich als “trade secrects or intellectual property”, also als Geschäftgeheimnisse oder geistiges Eigentum.
Offensichtlich haben wir es mit einem Prozess des Indifferentwerdens zu tun, der den Unterschied von “mein und dein” langsam zerfallen lässt. Noch stützt sich Mark Zuckerberg auf eine mit staatlicher Gewalt sanktionierte Unterscheidung von Besitzrechten, die allerdings immer fraglicher wird, wenn der Repräsentant des Unternehmens seine großkotzige Forderung übertreibt. Es es gibt ja noch einen anderen Spezialisten, der genauso großkotzig daher kommt. Gemeint ist Julian Assange, der gern Geheimnisse lüftet.
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Wer untergeht, macht bei Facebook mit …

 

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