Das Schicksal des Genies. Eine Artikelsammlung

You’re not deep.
You’re not an intellectual.
You’re not an artist.
You’re not a critic.
You’re not a poet.
YOU JUST HAVE INTERNET ACCESS.

Herkunft. Siehe dazu auch: Fangen Sie nicht mit dem Web 3.0 an!

Der bürgerliche Geniebegriff steht in einem spezifischen sozialen Kontext, welcher vorsah, dass sich Individuen aufgrund ihrer ganz eigenen Begabung gegenüber einer Masse exponieren und dem Publikum Werke des Geistes übergeben, die das Genie „aus sich selbst heraus“ erschaffen hat. Entsprechend hatte dieser bürgerliche Geniekult schon immer ein Problem mit Trivialsierungstendenzen, die mit der Vermarktung dieser Werke einher ging. Nun passierte aber, dass über 200 Jahre hinweg die Trivialisierung durch Kommerzialisierung vonstatten ging und sich dabei auch dieser Geniebegriff trivialsierte, was spätestens bei Joseph Beuys Niederschlag fand mit der Formulierung „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Müsste in diesem Fall das Genie nicht in einer Masse von Genies verschwinden?
Vollständig: Die Kommerzialisierung des Genies

Man hört es wohl und glaubt es kaum – die Würde der Wissenschaft ist in Gefahr, wenn man durchgehen lässt, was ohnehin nicht zu beenden ist. Das Tricksen, Täuschen, Schwindeln ist die Schwachstelle des Systems, nicht nur in der Wissenschaft. Seitdem die Dokumentform im Habitus des säkularen Gelehrtentums einen Attraktor ausbilden konnte, der aussichtsreich die “Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit” (Immanuel Kant) als Erhebung gegen die Zudringlichkeit der Unvernunft dirigierte, krankt das System an seiner selbst gemachten Unfähigkeit, sich aus den daraus resultierenden Zwängen zu befreien. Wenn Wahrheit als kontingente Möglichkeit durch Beweis- und Nachweisverfahren, welche selbst keine Wahrheit in sich bergen, also nicht auf Letztbegründungen zurückführbar sind, eine optimistische Aussicht auf Durchschaubarkeit, Berechenbarkeit und Beherrschbarkeit erhärtet, so erscheint alles
Widerläufige, sofern es Ansprüche auf Wahrheit stellt, als Schandtat gegen einen aufgeklärten, selbstlosen Willen, der sich um Erkenntis, Befreiung und Fortschritt redlich bemüht.
Vollständig: Das faustische Genie und die Würde der Wissenschaft

Mit dem Buchdruck und der sich daran anschließenden rasanten Enwicklung von Massenmedien entstand eine Form, die als Figur gegenwärtig ihre letzten Rückzugsgefechte voranzutreiben scheint. Gemeint ist das, was man gewohnt ist, einen Autor, Schrifsteller, Künstler zu nennen, eine Figur, deren Erfolgsleistung in der Ausbildung einer Vorstellung von Urheberschaft gleichermaßen ihren Ausgangspunkt und Voraussetzung und andersherum darin ihre Legitimation eines Führungsanspruchs fand.Dass ein Mensch Werke “aus sich selbst heraus” erschaffen könne ist nicht nur eine juristische Formel für die Durchsetzung eines Geschäftsmodells, auch wenn sich die Diskussionen gegenwärtig darin zu erschöpfen scheinen. Tatsächlich ist mit dieser Formulierung die faustische Hoffnung auf Eigen- und Allmacht angesprochen: “aus sich selbst heraus”, was ja heißen könnte, eine beobachtungsunabhängige Beobachterpositon einzunehmen, die in der Vorstellung eines autonomen Subjekts zum Tragen kommt.
Vollständig: Wikipedia: Überlegungen zur Formbildung der „Schreibameise“

In der welt-online wurde in einem längeren Artikel über den “Herrenreiter-Mythos des frei schwebenden Genies” nur ganz nebenbei, und wohl ohne, dass es der Autor selbst merkte, eine entscheidende Überlegung mitgeteilt: “Assange liefert Daten, aber keine Ideen” – und zunächst würde man zustimmen wollen, wenn man darüber nachdenkt, was eigentlich Werk und Tat des Julian Assange ausmacht, könnte doch, nach althergebrachter Denkweise, seine Prominenz nicht allein darin bestehen prominent zu sein. Etwas Vergleichbares gilt umgekehrt für Zuckerberg, dessen Werk und Tat darin bestehen, dass man ihm bereitwillig Daten enthüllt und beide miteinander lassen sich auf die selbe Falle ein, dass nämlich beide etwas zu verbergen haben: Daten. Der eine Daten über die Herkunft der enthüllten Daten, also Informanten und Informationswege; der andere ihre Weiterverwendung. Denn wenn Datensätze ein handelbares Gut sind und entsprechende Geschäfte ertragreiche Gewinne versprechen, müsste die Weitergabe von Datensätzen ähnlichen Inklusions- und Exklusionsmechanismen unterworfen sein wie alle anderen Waren auch. Aber in beiden Fällen werden diese Zusammenänge höchst fraglich: Weder kann der Leaker sich davor schützen, selbst geleakt zu werden, was auch für den Daten-Dealer gilt, noch kann man Daten wie Waren hergeben. Man kann sie nur kopieren. Deshalb stellt sich doch die ernsthafte Frage, wer sie eigentlich noch hat, wer sie verwenden und weitergeben darf oder nicht.
Vollständig: Assange und Zuckerberg – Trivialmonumente der postfaustischen Arroganz

Die These, dass in einer funktional-differenzierten Gesellschaft ein postfaustisches Trivialsubjekt durch einen Beobachter abgelöst wird, dem es gelingt, diese Trivialform zu enttrivialisieren, lässt sich mannigfach belegen und erläutern. Hier habe ich einen Blog-Artikel gefunden, der zeigt, wie hartnäckig dieser Ablöseprozess ignoriert wird, und wie dennoch besagtes Subjekt eben solche Trivialformen des Beobachtens benutzt, durch die es seine Konstitution als angeblich souveräne, kritische und authentische Urteilsinstanz unterläuft, ohne zu bemerken, auf welches diabolische Spiel man sich damit einläßt. In diesem Artikel geht es um ein altbekanntes Schema der Durchschauung von Interessenslagen, Realitätsgewissheiten und Manipulationsstrategien, die angeblich genauso souverän verstanden und angewendet wie durchschaut und zurück gewiesen werden können. Und dies gelingt durch Benutzung eines Verfahrens, das genau diese Differenzen erzeugt, die als Beobachtungsdefizit skandalisiert werden: Politiker, herrschende Kräfte, so könnte man den Artikel zusammenfassen, setzen ihre Interessen gegen den Willen anderer souverän durch und verbreiten mittels manipulierter Bilder eine affirmative Verschleierung ihrer wahren Absichten. Durch ein gleichsam “magisches Geschehen” wird die Bevölkerung in einen korrupten Sumpf aus schönem Schein, aus Lug und Trug hineingezogen, indem falsche Vorbilder Lebensprobleme erzeugen und Therapiebedarf steigern; und nach dem all das ob seiner Unhaltbarkeit von den Beteiligten bemerkt wird, fängt dieser Prozess wieder von vorne an. Wörtlich heisst es: “Dann schmeißen wir viele Berichte und Bilder in den Mülleimer und bekommen neue. Wir müssen nur sehr wendig und flexibel sein im Kopf. Nicht dass uns noch ein krankhafter Schwindel erfaßt und wir zum Arzt müssen!”
Vollständig: Realität, Interesse, Manipulation