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Die Katastrophe der Empirieform 1

18. September 2010

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Die Benutzung des Internet ist für entwickelte Stabilitätsgarantieren einer funktional-differenzierten Gesellschaft eine regelrechte Katastrophe, weil sie die Empirieform sprengt, an welcher die Funkionssysteme nach Maßgabe ihrer jeweils eigentümlichen Funktionslogik partizipieren. Interessanterweise macht aber das Internet auf das Funktionsprinzip der modernen Gesellschaft im Moment ihres Abschieds aufmerksam, in dem es durch ein verändertes Beobachtungsschema zeigt, was vorher nicht oder eben nur sehr mühsam argumentierbar war. Denn die Strukturen vernetzter Computer erzeugen eine Unbestimmtheitsstelle, an der etwas geschieht, wovon man noch nicht weiß, wie es weiter gehen wird. Das Internet ist nicht nur eine technische Apparatur, die zum Aufbau und zur Bewältigung komplizierter Datenmengen eingesetzt wird, sondern der Computer wird selbst zum Beteiligten der Kommunikation. Während das Bewusstsein beim Surfen Bildschirmsimulationen fortwährend interpretiert, muss man sich auf die Arbeit der Computer verlasssen können; und man bekommt es mit einer Datenkomplexität zu tun, deren Herkunft man nicht kennt, deren Zustandekommen man nicht durchschaut und deren dokumentarischen Wahrheitswert man nicht überprüfen kann.
Kaum hat die wissenschaftliche Forschung gelernt, dass das Bewusstsein des Individuums prinzipiell undurchschaubar ist und hat anerkannt, dass das Bewusstsein als unbestimmter Freiheitsgrad beim Fortgang der Kommunikation immer mitlaufen und dadurch adressierbar wird, da muss man anschließend den Gedanken akzeptieren, dass Computernetze ebenfalls strukturell an die Kommunikation gekoppelt sind. Zwar können Computernetze weder sprechen, lesen oder schreiben, aber sie können Irritationen in der Kommunikation anschließbar machen. Aber weder das Bewusstsein noch Computernetze kommunizieren. Während die Computernetze nicht kommunizieren, rechnen sie mit, das heißt, als unverzichtbare Umweltbedinung verändern sie die Resultate der Kommunikation auf eine Art und Weise, die in der Kommunikation von der Kommunikation weiterverwendet werden müssen. Daraus ergibt sich eine Überschussproduktion von Sinn durch strukturell verkoppelte Computernetze, die Datenflüsse, die über die Computerbildschirme flimmern und Wertpapierhändler ebenso wie Naturwissenschaftler, Firmen ebenso wie Konsumenten, Chatter ebenso wie Blogger faszinieren und zu Reaktionen zwingen. Und die interessante Frage ist: welche Empirieform ist diesem Überschusssinn gewachsen? (Weiter)

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