Interaktion – Verhältnis von Anwesenheit und Abwesenheit

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Man muss dabei aber mitbedenken, dass immer eine diskontinuierliche Infrastruktur der Interaktion voraussgesetzt ist. In diesem Zusammenhang geht es weniger um die Unterscheidung von Psyche und Bewusstsein, sondern mehr um die zwischen neurophysiologischem System und Bewusstsein, die über strukturelle Kopplungen miteinander verknüpft sind: Einige Resultate der Wahrnehmungsprozesse werden dem Bewusstsein vom Gehirn übermittelt, ohne dass ihre Entstehungsprozesse bewusst im Spiel gehalten werden müssten oder auch nur könnten. Psyche könnte dann ein Name für das Verhältnis von Gehirn und Bewusstsein sein. Damit sei auf einen Vorgang verwiesen, der eine ‘reifizierenden Externalisierung’ ermöglicht, wodurch eine Problemformel dafür gefunden wäre, dass man ein intern erzeugtes Bild für etwas dinglich Gegegebenes von außerhalb halten will.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Bewährungsprobe einer Interaktionstheorie darin bestehen, eine hinreichend genaue Bestimmung dessen, was als anwesend und was als abwesend behandelt werden soll, zu formulieren. Es  geht dabei darum wie der Dualismus von Wahrnehmung und Kommunikation in enger Simultaneität zusammenwirkt. Daneben scheint es so, als wenn die Ebene konstitutiver Nachzeitlichkeit durch die Ebene gleichzeitig fungierender reflexiver Wahrnehmung ergänzt und gestützt wird. Kieserling nutzt dafür die Formulierung eines wechselseitigen Steigerungszusammenhanges. Leider deckt er diesen begrifflich höchst relevanten Zusammenhang mit der Formulierung präkommunikativer Sozialität wieder zu. Eine Lösung könnte darin bestehen, die von Luhmann an Hand der Kommunikation entdeckte Struktur der Sozialität – eine selektiv vollzogene Synthese dreier Selektionen – auch für das Bewusstsein zu formulieren, wie es etwa Peter Fuchs versucht hat: Gestimmheit, Information, Gedanke.

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