Technik als soziale Himmelserscheinung

von Kusanowsky

Damit man anfangen kann, die Belanglosigkeit der Technik zu thematisieren, müsste der Prozess der Selbstumstellung eines Beobachtungssystems, das Technik beobachtet, von Unterschieden, die Angst und Hoffnung betreffen, auf Fragen eines poetischen Verhältnisses zur Welt gelingen. Das Beobachtungssystem müsste andere und re-entry-fähige Unterscheidungen erproben, die Differenzen von Angst und Hoffnung als Beobachterfragen erster Ordnung behandelbar machen.
Gelingen kann dies wohl nur durch einen Ablöseprozess, der alle Spuren transzendentalphilosophischer Verweisungswege verwischt, damit Technik gleichsam als “soziale Himmelserscheinung” verstanden werden kann. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Und ein tränenreicher wie man mit Gewissheit vorhersehen kann, ohne sich eines unzulässigen Prophetentums schuldigen zu machen.
Bleiben wir daher – wir müssen es tun, weil andere Kommunikationswege noch versperrt sind – bei den Angstillusionen unserer Zeit; unsere Angst vor lebenden Maschinen, Cyborgs, künstlichen Intelligenzen, die meist nur im Ausnahmefall als Erlösergestalten wie des eines Terminators erzählt werden, wobei auch hier zu bemerken ist, dass in den Schwarzenegger-Filmen beide Seiten die Aufmersamkeitsfunktion von Affektstrukturen ablesen. Kontrollierbarkeit des zivilisierenden und friedensbildenden Effekts der Technik auf der einen Seite genauso wie ihre dunkle, ihre schwarze, ihre böse Seite; wobei, wie könnte es anders sein, Hollywood am Ende stets gewinnt: “Hollywood will be back.”

Der durch den Film The Terminator berühmt gewordene Satz „I’ll be back“ in Los Angeles. Foto: Wikipedia

Ich glaube, dass die Befreiung von der Herrschaft der Technik das einzig noch verbliebene Emanzipationsprojekt ist, das voranzutreiben alle Anstrengung lohnt. Damit ist natürlich ein Missverständnis formuliert, ist es doch gar nicht die Technik, die herrscht. Wie könnte Technik herrschen? Tatsächlich handelt es sich um soziale Beobachtungsverhältnisse, die durch Vertauschung von selbst- und fremdreferenziellen Zurechnungen ein Zerrbild ihrer Möglichkeiten zeichnen: Technik als Dämon und Technik als guter Botschafter Gottes, der von Heilserwartungen kündet.
Beide Betrachtungsweisen erzwingen die Unterwerfung des Beobachters, entstanden durch ideologisch sanktionierte Abschneidung von Kontingenz. Selbstverständlich handelt es sich um Selbstunterwerfung. Ein Befreiungsprojekt zu verfolgen hieße, die doppelte Codierung von Hoffnung als Zerrbild der Angst und diese als Zerrbild jener in Unterscheidungsroutinen zu transformieren, welche die Erwartbarkeit von Ausweglosigkeit als den blinden Fleck der Hoffnung und Freiheit als den der Angst in Erwartbarkeit von semantisch differenzierbarer Indifferenz umarbeiten. Das ist gemeint, wenn von einem poetischen Verhältnis zur Welt die Rede ist. Eine Poesie der Technik als reine Anschauung ihrer Möglichkeit kennt gleichzeitig nicht nur einen Standpunkt der Beobachtung.

Bevor es soweit ist, belassen wir es dabei, diesen Weg der Umarbeitung in der losen Verkoppelung seiner in der Gegenwart ungenau strukturierten Pfadverzweigungen zu betrachten. Und schon an der nächsten Straßenecke kann man stutzig werden.
Wem schon mal in Science-Fictionfilmen die Unglaubwürdigkeit der inszenierten Angstvisionen von der Herrschaft der Maschinen über Menschen aufgefallen sein mag, mochte wohl gedacht: ziehe man den Maschinen doch einfach den Stecker heraus! Es ist eben dieser Gedanke, der als transzendentalphilosophische Blockierung fungiert: es seien am Ende immer noch Menschen, die darüber bestimmen, was als nächstes passiert. Schon ein Blick auf die Aporien von Gegenwartsdebatten, hier: die Diskussion um Sterbehilfe, kann einen darüber informieren, dass es nicht einfach in der Macht von Menschen liegt, irgendwo eine Stecker heraus zu ziehen.

Man irrt nicht, wenn man annimmt, dass der Prozess der Bedienung von Maschinen durch andere Maschinen durch keine Ethik der Welt aufzuhalten ist. Von einer künstlichen Intelligenz könnten wir dann sprechen, wenn sich dieser Prozess operativ schließt, wenn also kein Anfang mehr zu finden ist, was letztlich auch für den Fall des Ausfalls von Maschinen gilt, da man sich anderer Maschinen bedient, die ihrerseits von Maschinen bedient werden, um den Schaden zu beheben. Wer etwas anderes glauben möchte sollte mal vor einem defekten Fahrkartenautomat stehen und beobachten, was als nächstes geschieht.

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